Ich gebe zu, die Überschrift ist hart formuliert. Doch die zunehmende Überflutung von “Top”, “Trend” und “Neuste Informationen”-Hinweisen sowie das Gefühl, dass der Begriff des Experten im Bereich von Social Media so langsam ad absurdum geführt wird, regen mich diesen kurzen Kommentar an.

Die Süddeutsche Zeitung (05.07.2010, S. 9) drückte es in einer kleinen, aber feinen Kommentarspalte so aus:

“Rückt man das so unscharf definierte Feld der sogenannten Social Media, der sozialen Netzwerke in den Blick, werden die Stimmen besonders laut. Allein auf Twitter gibt es eine mittlere fünfstellige Zahl von Nutzern, die als hauptberufliche Trend-Identifizierer firmieren. (…) Fast schein es, als hätte sich eine Experten-Kaste aus dem User-Fußvolk herausgelöst, die von Konferenz zu Konferenz eilt und sich mit dem Verdacht der Selbstreferentialität bestens arrangiert hat.”

Es ist unbestritten, dass Social Media-Anwendungen spätestens im Jahr 2009 einen enormen Bedeutungsgewinn erfahren haben. Dementsprechend scheint der Bedarf groß an Personen, die andere im Umgang mit ebendiesen Funktionen im privaten wie beruflichen Bereich beraten können. Denn wer unvorsichtig seine Daten im Internet publiziert, kann sich schnell mehr Ärger einhandeln als er oder sie gedacht hat. Aufgrund dessen, dass sich diese Daten aus dem Internet nur noch mühsam – wenn überhaupt – entfernen lassen, ist der Wunsch nach Orientierung und Hilfestellungen verständlich.

Dieses Bedürfnis haben mittlerweile viele Early Adopter erkannt und versuchen aus der “Not” anderer, ein Geschäft zu machen, nämlich das des Social Media-Beraters. Schöner klingt natürlich der Begriff des Experten. Schnell haben sich die Meisten über das Internet gefunden und zitieren in regelmäßigen Abständen das Blog des anderen und unterstrichen so die Relevanz ihrer eigenen Aussagen.

Ich möchte nicht auf der Blog-Kultur herumhacken. Doch die Geschwindigkeit, in der Trends aufgespürt und wieder fallen gelassen werden, ohne dass sie jemals die Schwelle der Relevanz für eine große Nutzerschaft im Internet überschritten haben, erweckt den Eindruck, dass es vielen mehr um die eigene Profilierung als um das wirklich Aufspürung von langfristigen Entwicklungen im Internet geht. Es geht um Schnelligkeit und Neuartigkeit der Informationen – nicht um ihren Gehalt und ihre Relevanz.

Entwicklungen im Internet zu beobachten und vor allem zu bewerten, bedeutet für mich, mit Besonnenheit und klaren Kopf zu agieren. Berater und Experten sollten in meinen Augen die Fähigkeit besitzen, aus einer Informationsflut die tatsächlich wichtigen Daten und Statistiken herauszugreifen. Bildlich gesprochen: Wer nach jedem Trend bellt, wird schnell heißer. Im Internet wird mehr denn je eine Orientierungsfunktion und Reduktion von Informationen benötigt. Dafür braucht es nicht notwendiger Weise normative Aussagen über die beste Social Media-Strategie für Unternehmen oder ähnliches. Um mehr Klarheit und Systematik in den Diskurs einzubringen, sind mikroskopische Untersuchungen erstrebenswert, denn innerhalb Einzelfall-Analysen können die komplexen Beziehungen zwischen den Kommunikationspartnern aufgezeigt und daraufhin Kommunikationsstrategien werden. Die Aussagekraft dieser Analysen bleibt dabei zwar auch nur auf den Einzelfall beschränkt, doch auf diese Weise wird mehr Wissen gewonnen als in großangelegten Untersuchungen, die im Voraus zum Scheitern verurteilt sind.

Im gleichen Maße wie sich Social Media-Anwendungen noch entwickeln, kommen mehr und mehr Internetnutzer hinzu, die über das Stadium des reinen Nutzers hinauswachsen und die Bewegungen im Internet beobachten. Daher bin ich überzeugt, dass daraus auch ein Korrektiv ergibt, das die momentane inflationäre Verwendung des Expertenbegriffs auffängt, da mehr Meinungen und Sichtweisen in die Diskussion um die Zukunft von Social Media einschalten.

Je mehr man macht, desto mehr geht auch mal schief. Umso schöner ist es, wenn man Orte findet, an denen man sich ausprobieren kann. Ich arbeite gerade zusammen mit meinem Bruder an der Bekanntmachung des Benefizfestivals Bands for Brazil, das dieses Jahr zum zehnten Mal stattfindet. Begonnen hat alles ganz klein, als Konzert mit vier regionalen Bands um Geld für ein brasilianisches Straßenkinderprojekt der evangelischen Gnadengemeinde in Mannheim zu sammeln. Diese Kernelemente haben sich die Jahre über erhalten, doch die Umsetzung wurde immer professioneller. Sowohl die Rahmenorganisation als auch die Musik- und Bühnentechnik brauchen sich hinter keiner Großveranstaltung mehr zu verstecken.

Zu jeder Veranstaltung gehört natürlich die entsprechende Öffentlichkeitsarbeit, damit möglichst viele davon etwas mitbekommen. Diesen Job übernimmt seit einigen Jahren mein Bruder. Er pflegt den Kontakt zur Presse, kümmert sich um den Druck der Plakate und Flyer sowie die Veröffentlichung des Termins auf diversen Internetplattformen. Bands for Brazil ist daher bei Myspace und LastFM zu finden, mit einer Gruppe bei StudiVZ vertreten und auf regionalen Portalen wie Stadtleben vertreten.

Nun gilt das Jahr 2009 als das Gewinnerjahr für Soziale Netzwerke im Internet. Deshalb kam mir die Idee, diese stärker für Bands for Brazil zu nutzen. Die Art der Veranstaltung bietet in meinen Augen folgende Möglichkeiten der Vermarktung:
- Es ist ein Konzert mit vier regionalen Bands,
- es unterstützt einen guten Zweck,
- es wird ehrenamtlich organisiert und
- es kann bereits auf eine lange Tradition zurückblicken.

Unter Beachtung dieser Aspekte haben wir eine Facebook-Fanseite gestaltet, betreiben einen Twitter-Account und haben einen eigenen Youtube-Kanal mit Musik der aktuellen und früheren Bands zusammengestellt.

Diese ergänzen und erweitern die anderer Webpräsenzen dadurch, dass sie unterschiedliche Stärken haben. Facebook bietet mehr interaktive und multimediale Möglichkeiten als StudiVZ, sodass die Nutzer dort die Fan-Seite leichter in ihren Account integrieren können. Via Twitter erreichen wir Multiplikatoren der Rhein-Neckar-Region und verbreiten darüber wichtige Informationen zur Vorbereitung des Konzerts. Nicht zuletzt bieten wir auf Youtube einen ersten Eindruck über die Bands, die dieses Jahr bei Bands for Brazil spielen werden. Ebenso erhalten die Besuchen einen Überblick über die musikalischen Highlight der vergangenen Jahre.

Alle Aktivitäten werden auf der Webseite www.bandsforbrazil.de gebündelt präsentiert.

Durch die Kombination aus herkömmlicher Pressearbeit mittels Pressemappe und direktem Kontakt und der Nutzung von Social Media-Anwedungen hoffen wir für die Jubiläumsveranstaltung alte und neue Besucher für das Benefizfestival begeistern zu können.

Für mich persönlich ist es eine weitere Möglichkeit, die Anwendungsfelder von Social Media austesten und optimieren zu können. Denn neben dem Lesen von Berichten auf Blogs oder ähnlichen Seiten ist die eigene Beschäftigung immernoch der beste Weg, Erfahrung zu sammeln.

Altersstruktur von Social-Network-Nutzern

Posted Februar 18th, 2010 by admin

Gestern wurde ich über einen Tweet von t3n auf eine Studie von Royal Pigdom aufmerksam, in der Soziale Netzwerke auf ihre Altersstruktur hin untersucht worden sind.

Dabei handelt es sich um 19 verschiedene Netzwerke, die in den USA verbreitet sind. Einige der Seiten sind in Deutschland sicherlich weniger bekannt, doch die Ergebnisse für Facebook, LastFM oder auch Twitter sind auf jeden Fall einen Blick wert.

Der durchschnittliche User, den die Studie ermittelt hat, ist 37 Jahre alt. Auffällig ist, dass Soziale Netzwerke in der Altersgruppe über 50 kaum verbreitet sind. Hier bleibt allerdings abzuwarten, ob sich in den nächsten Jahren ein Wandel vollzieht.

Eine Frage, die für mich mit dieser Studie in Zusammenhang steht, aber nicht beantwortet wird, ist, warum sich die Altersstrukturen zwischen den einzelnen Netzwerken unterscheiden. Denn t3n stellt zwar fest, dass “[d]ie Daten (…) beispielsweise wichtige Erkenntnisse für Unternehmen [liefern], die ihre Social-Media-Kampagnen zielgruppengerecht platzieren möchten.” (Quelle, Download am: 18.02.2010). Doch um Social-Media-Kampagnen wirklich zielgruppengerecht umsetzen zu können, sollte man auch wissen, WARUM bestimmte Altersgruppen ein Soziales Netzwerk bevorzugen. Entscheidend ist für mich zum einen, welche Funktionen oder Angebotsstrukturen die jeweilige Seite liefert (dazu müsste man ein Angebotsvergleich durchführen), zum anderen findet die Nutzung auch immer vor einem sozialen Hintergrund statt. Deshalb ist es in meinen Augen unerlässlich das Wissen über die Altersstrukturen durch eine Untersuchung der Faktoren zu ergänzen, die Einfluss auf die Nutzung eines Soziales Netzwerks haben. Beruf, Geschlecht, Familienstand sind nur einige wenige Variablen, die zur Erklärung der Unterschiede beitragen können.

Inspirierend bis genial: Werbekampagnen

Posted Januar 22nd, 2010 by admin

In Zeiten des permanenten Wettstreits um Aufmerksamkeit ist es die Aufgabe von Marketing-Spezialisten ihr Produkt besser zu positionieren als die Konkurrenz. Dabei kann eine kreative Werbekampagne durchaus die beste und fundierteste Strategie schlagen, wenn sie bei den potentiellen Käufern die richtigen Emotionen auslöst. (Gut, das eine hängt bestenfalls mit dem anderen zusammen)

Deshalb krame ich heute ein weiteres Fundstück aus meiner Link-Sammlung und möchte den Beitrag The 80 best guerrilla marketing ideas i’ve ever seen empfehlen aus dem Blog von Francesco Mugani. Es ist eine Auswahl von 80 Werbekampagnen, die oftsmals einfach wie genial sind. Nicht alle Themen sind zum Lachen, umso mehr schätze ich die kreative Umsetzung dieser.

Aber schaut selbst und lasst Euch inspirieren!

Werbungsgeschichte(n): Vintage Ad Browser

Posted Januar 10th, 2010 by admin

Weiß noch jemand, wie Sony vor zehn Jahren für seine Produkte geworben hat? Wohl kaum. Doch die Werbeindustrie war schon immer kreativ und deshalb wäre es fast zu schade, wenn Werbung und ihre Geschichten in irgendeiner Schublade verschwinden würden.

Die Macher von Vintage Ad Browser haben sich zum Ziel gesetzt, so viele Werbeanzeigen wie möglich zu sammeln, sei es aus Comics, Büchern oder Magazinen. Derzeit gibt es 123,311 verschiedene Anzeigen, die nach Kategorien geordnet sind.
Die bisherigen Sammlung jedenfalls ist schon faszinierend und lädt zum Stöbern ein.

Über Werbung kann man sich zwar streiten und oftmals nervt sie auch, doch an dem Satz von Marshall McLuhan “Advertising is the greatest art form of the twentieth century.” ist auch was daran.

Heute Morgen bin ich durch meine Google Alerts auf ein interessantes EBook gestoßen von Mark Ralea mit dem Titel: “Social Media Optimization in Deutschland. Theorie und Praxis einer neuen Form der Optimierung“.
Beim ersten Überfliegen hat es mir den Eindruck gemacht, dass es vor allem Einsteigern einen strukturierten Überblick über Dienste und Strategien gibt. Doch auch für Profis kann es nicht schaden, eigene Erfahrungen mit denen von Mark Ralea zu vergleichen.

Hier geht’s zur Download-Seite.

Am Donnerstag, den 7. Januar 2010, veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung einen Artikel zum Verhältnis von Firmen zu Bloggern. Das vergangene Jahr hat einige Fälle (Stichwort: Jack Wolfskin oder auch Vodafone) hervorgebracht, die zeigen, dass der richtige Umgang mit den neuen Kommunikationskanälen im Internet noch längst nicht selbstverständlich ist.

Relaunch

Posted Januar 7th, 2010 by admin

Gestern habe ich die neue Wordpress-Version aufgespielt. Damit habe ich auch gleich alle alten Plugins heruntergenommen, die meisten haben eh nur Probleme bereitet.
Dafür gibt es jetzt aber hoffentlich regelmäßiger neue Einträge. Denn das ist leider die letzten Wochen ziemlich auf der Strecke geblieben.